Gewöhnliche Taubenkrankheiten, ungewöhnliche Gesundheitstipps

Infektionen | Parasiten | Behandlung | Ansteckungsgefahr

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  1. Panikmache
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  3. Anfassen?
  4. Endoparasiten
  5. Außenparasiten
  6. Bakterien
  7. Viren
  8. Taubenhaltertipp

Wie wir Menschen und alle anderen Bewohner unseres Planeten können Tauben an unterschiedlichsten Krankheiten leiden, sich mit Keimen anstecken, diese weiter verbreiten und auch selbst daran sterben. Das ist nun mal Teil der Natur. Ich gehe hier nur auf einige Taubenkrankheiten ein, darunter auch solche, mit denen ich bereits konfrontiert worden war.

Vorsicht vor Panikmache mit Taubenkrankheiten

Zunächst möchte ich die allgemeine Panikmache etwas entkräften. Denn anders als es Schädlingsbekämpfer wie Rentokil & Co. uns weismachen wollen, sind die meisten Krankheitserreger und Parasiten, die Tauben befallen, NICHT auf den Menschen übertragbar und nicht lebensbedrohlich. Nicht umsonst war auch die Berliner Tierärztin Almut Malone unter Unterzeichnern einer Beschwerde gegen Falschinformationen unter dem Deckmantel der Schädlingsprävention.

Nehmen wir als Beispiel die Taubenzecke.(https://www.zecken-radar.de/taubenzecke/). Die lebt komplett wirtspezifisch. Würde eine extrem hungrige Zecke dennoch in ihrer Not Menschen anfallen und zubeißen, könnte dadurch eine Hirnhautentzündung oder einer Boreliose wie bei Zecken, deren Wirt der Mensch ist, NICHT ausgelöst werden.

Überhaupt gibt es ganz wenige Ausnahmen, bei denen eine Kontamination bei engstem Kontakt erfolgen kann. Zur Risikogruppe zählen dann aber eher Taubenzüchter oder Personen, die täglich in größerem Umfang mit Tauben zu tun haben.

Gegenmeinungen zur „Gefahr durch Taubenkrankheiten“

Das Geschäft mit der Angst
https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/tauben-schaedlingsbekaempfer-schueren-angst-vor-voegeln-a-1165237.html

Viele Falschinformationen über Taubenkrankheiten
https://www.erna-graff-stiftung.de/tauben/krankheiten/

Was tun, wenn du eine kranke Taube angefasst hast?

Wer unterwegs eine offensichtlich kranke Taube sieht und sichern möchte, kann  sie mit bloßen Händen anfassen. Bei nächster Gelegenheit einfach die Hände waschen und gut ist. Wenn du dir dennoch unsicher bist, empfehle ich ein Hygiene-Spray für unterwegs  (zum Beispiel das Denkmit Spray von dm), das benutze ich seit Jahren. Mit der Zeit bin ich schon mit sehr vielen kranken und verletzten Tauben in Berührung gekommen – darunter auch sterbenskranke – bei keiner von ihnen habe ich mich bisher angesteckt.

Nun aber endlich zu den wichtigsten Taubenkrankheiten:

1. Erkrankungen durch Endoparasiten

Trichomonaden (Trichomniasis)

Die Trichomonadose oder auch Gelber Knopf genannt kommt in Deutschland sehr häufig bei Wildvögeln und nahezu allen Taubenarten vor. Es handelt sich um einen einzelligen Parasiten, der den oberen Verdauungstrakt seines Wirts befällt. Sichtbar ist ein geröteter Rachen, im weiteren Verlauf zeigen sich auf der Gaumenschleimhaut gelbe Beläge (Gelber Knopf).

Behandlung: Zur vorbeugenden und akuten Behandlung gibt es zahlreiche Medikamente – z.B. Ronidazol


Kokzidien (Kokzidiose) bei Tauben

Kokzidien gehören zu den häufigsten Parasiten in Taubenbeständen, die mehr oder weiniger starken Durchfall auslösen. Diese können allerdings nur von Taube zu Taube übertragen werden – NICHT auf andere Vogelarten oder den Menschen.

Behandlung: Als wirksames Gegenmittel wird chevi-kok empfohlen.


Wurmbefall im Darm

Spulwürmer oder Drahtwürmer sind ebenfalls bei Tauben rein wirtspezitisch. Spulwürmer lassen sich relativ leicht  in Kotproben nachweisen.

Behandlung: Piperazinsalze, die dem Trinkwasser zugegeben werden. Ebenso werden Fenbendazol-Präsparate empfohlen, die über das Fütter verabreicht werden


(Infovideo der Taubenklinik über Darminfektionen bei Tauben – aktivierter Datenschutzmodus)

2. Befall durch Außenparasiten

Federlinge

Federlinge sind flügellose Schmarotzer, die auf der Haut von Tauben leben – deutlich erkennbar sind sie auf hellen und weißen Federn Sie ernähren sich hauptsächlich von Hautschuppen und Federlinge. Für Menschen sind sie unschädlich.

Behandlung: Das Gefieder der Unterflügel und an der Kloake der Taube wird mit Insektenpulver oder ggf. Spray behandelt, so dass die Federlinge abfallen. Dazu zeige ich einfach mal ein Youtube-Video von einem ambitionierten Züchter, der  die Behandlung sicher sehr fachmännisch durchführt , was aber nicht immer schön anzusehen ist. Nun ja, nicht jeder muss ja gleich 48 Tauben „entlausen“.


(Infovideo von Züchter Eugen über die Parasitenbehandlung im Gefieder von Tauben – aktivierter Datenschutzmodus)


3. Viruskrankheiten

Die folgenden Virusinfektion bei Tauben sind noch nicht lange bekannt. Beispielsweise die Newcastle-Krankheit (asiatische Geflügelpest, die hier nicht behandelt wird) trat in den 20er Jahren erstmalig auf, die  Paramyxovirose (PMV) begann erst in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Mittelmeerraum und verbreitete sich über den internationalen Taubenhandel und Reisetaubensport binnen weniger Jahre in ganz Europa. Manche bewerten die Taubenkrankheit als ein Phänomen des 20. Jahrhunderts.

Paramyxovirose (PMV)

Der Paramyxovirus löst wohl die folgenreichste Erkrankung für ein Taubenleben überhaupt aus. Übertragen wird es durch Kot, Speichel und virushaltige Luft in Schlägen oder Nistplätzen. Tauben, die an PMV erkranken, sterben keineswegs immer daran, aber die Krankheit wird fortan ihr Leben bestimmen – auch wenn sie völlig gesundet zu sein scheinen, bleiben sie für immer gehandicapt.

Der Grund: Das Virus erzeugt bei betroffenen Tauben zentralnervöse Störungen wie Hals- und Kopfverdrehung (Sterngucker), Bewegungs- und Orientierungsstörungen.Kranke Tauben laufen im Kreis, rückwärts und verfehlen beim Picken die Körner usw. Diese Symptomatik kann bis zu Lähmungen gehen, so dass die Tauben selbst keine Nahrung und Trinkwasser aufnehmen können und wochenlang künstlich ernährt werden müssen.

PMV Taube ruht sich im Fressnapf aus
Meine kleine Audrey macht im Fressnapf Pause vom Drehen.

Auch wenn der ganze Spuk nach einigen Monaten aufhört, so bleiben immer noch Restsymptome zurück. Gerät die Taube beispielsweise in eine Stresssituation, verliert sie wieder die Orientierung und fängt an zu drehen kann oder fliegt in Panik gegen eine Hauswand. Kurzum, für Tauben (und auch Hühner) ist PMV eine Katastrophe, Menschen und Säugetiere hingegen können sich definitiv NICHT anstecken.

Ich distanziere mich entschieden von Leuten, die konstatieren, dass jede Taube, die mit PMV infiziert ist, unrettbar verloren und „auszumerzen“ (Züchterjargon) sei. Vielleicht bringen die Tiere ihrem Besitzer, der  Top-Tauben Preise einfahren will oder Reisesportsfreund ist, keinen Nutzen mehr, aber für jeden ethisch bewussten Tierfreund gibt es keinen Grund, solche Tauben zu töten.

Behandlung: Wie bei allen Virusinfektionen kann man den Erreger selbst nicht behandeln, wohl aber die Symptome und mögliche Folgeerkrankungen. Es ist nicht immer leicht mit den Sternguckern, man benötigt viel Geduld und ein großes Herz für die geplagten Täubchen.

Ich selbst habe schon zahlreiche PMV-Tauben gesichert oder in Pflege genommen. Darum habe ich meinen kleinen PMV-Patienten eine eigene Themenseite und diverse Blogbeiträge gewidmet – beispielsweise:


Rotaviren

Rotaviren sorgen bekanntlicherweise beim Menschen, Säugetieren und einigen Vogelarten für brutale Durchfälle, die zuweilen tödlich enden können. Bei Tauben war diese Infektion unbekannt. Erstmalig wurden vor etwa drei Jahren durch Rotaviren verursachte Durchfälle bei Brief- und Rassetauben in Australien nachgewiesen. Im November 2017 kam es bei einem deutschen Züchter aus Esslingen zu einem Ausbruch der Infektion, wobei rund 50 Rassetauben binnen kurzer Zeit verendeten. Diesen Sommer wurde ich von der Kölner Taubengruppe darauf angesprochen, ob in Düsseldorf Rotavirus-Fälle bekannt wären. Nachweislich auf keinen Fall. Doch hatte ich zu der Zeit eine ausgehungerte Jungtaube in der Altstadt eingesammelt, die ich aufpäppeln wollte. Am folgenden Abend bekam sie wie aus dem Nichts extrem starken Durchfall und starb noch in derselben Nacht. Weitere Fälle dieser Art sind mir nicht bekannt.

Tote Jungtaube 2019
Möglicherweise starb diese Jungtaube durch eine Rotavirus-Infektion

Behandlung:  Wegen des Durchfalls Zugabe einer Electrolyt-Glukose-Mischung wie Oralpädon ins Trinkwasser.

Ansteckungsgefahr für den Menschen?

Laut der vielen Infos verbreiten sich Rotaviren von Mensch zu Mensch über eine Schmierinfektion. Eine Übertragung von Taube halte ich durchaus für möglich, konnte aber keine Bestätigung durch medizinische Berichte finden.

Die Taube fasste ich an, fütterte sie und reinigte den Stall, kam daher mit Kot in Berührung, desinfizierte danach meine Hände. Sollte sie den Virus gehabt haben, dann hatte sie mich nicht angesteckt.

4. Bakterielle Krankheiten

Es gibt eine Vielzahl von Bakterien, die bei Stadttauben Infektionen verursachen können. Ich liste hier erst einmal folgende Beispiele, die häufiger auftreten.

Ornithose

Die Ornithose kommt weltweit vor und entsteht durch Chlamydien, die Entzündungen der Atemweg hervorrufen. Die Keime der Ornithose sind verwandt mit dem Erreger der Papageienkrankheit (Psittakose). Die häufigste Infektionsquelle sind zwar Sittiche und Papageienarten, aber der Erreger ist auch häufig bei Rasse- und Haustauben sowie verwilderten Stadttauben unterwegs. Das liegt daran, dass die Vögel in Schwärmen zusammen leben und brüten. So wird die Infektion leicht auf die nächsten Generation weitergegeben. Natürlich auch unter Reisetauben: Beispielsweise bei Auflässen, wo Kot- und Federstaub aufwirbelt wird, besteht eine extrem hohe Ansteckungsgefahr. Durch Ornithose geschwächte Tiere, die den Heimflug nicht schaffen und sich in fremden Schlägen oder Ortschaften niederlassen sorgen für die weitere Verbreitung. Häufige Symptome sind  Atemnot, aber auch Apathie, geringe Fresslust, starker Durst und extrem weicher Kot.  Auffällig ist Zittern und aufgeplustertes Gefieder. Wie so oft fallen mehrere Symptome zusammen, Fachleute sprechen daher von einem Ornithos-Komplex. Sicher festgestellt werden kann die Krankheit nur durch Laborbefunde.

Behandlung: Gegen die Ornithose gibt es eine ganze Reihe von Medikamenten und Vitaminkuren, sogenannte Ornithose-Kapseln, mit denen ich keine Erfahrung habe also auch nicht weiter drauf eingehen kann.

Wie groß ist die Gefahr für den Menschen?

Selten, kann aber vorkommen. Beim Menschen führt die Ornithose zu grippeartigen Symptomen, aus der sich manchmal eine Lungenentzündung entwickeln kann. Allerdings ist die Infektion ist in Deutschland wie gesagt selten. Am ehesten erkranken Hühner- und Taubenzüchter, Tierpfleger im Zoo oder Mitarbeiter von Tierhandlungen.


Salmonellose

Die Salmonelleninfektion (bennannt nach ihrem Entdecker, dem amerikanischen Tierarzt Daniel Salmon)zählt zu den häufigsten Erkrankungen bei nahezu allen Taubenarten. Salmonellen sind Bakterien im Darm, die über die Blutbahn übertragen werden und zu Entzündungen in anderen Organen führen können. Verbreitet wird sie über Kot und Speichel, somit über Futter und Trinkwasser. In Taubenschlägen kann es so leicht zu einem Massenbefall kommen. Zum klinischen Nachweis ist eine bakteriologische Untersuchung mit ausreichendem Probenmaterial erforderlich. Dazu gehören wiederholte Kotproben und Gelenkpunktaten. Diese Salmonellose ist taubenspezifisch und überträgt sich NICHT auf den Menschen.

Behandlung:  Verabreichung von verschreibungspflichtigen Antibioka und Chemotherapeutika.


Ansteckender Schnupfen (Röchelschnupfen)

Laut meiner Informationen gibt es wohl speziellen Auslöser für die Erkrankung. Eher handelt es sich um eine Mischinfektion, also ein Sammelsurium verschiedener bakterieller und/oder viraler Erreger (Primär- und Sekundärkeime), die den Schnupfen auslösen können. Die Inkubationszeit ist auch unbestimmt. Symptome sind feuchte Nasenwarzen, entzündete Nase, Austreten von Ausfluss aus der Nase, röchelnde Atemgeräusche und Entzündung von Schleimäuten. Als konkreten Fall weiß ich auch von einer PMV-Taube, die lange Zeit mit diesen Problemen zu kämpfen hatte, zuletzt aber infolge eines Tumors gestorben ist.

Behandlung: Tägliche Reinigung der Nasenöffnungen und Verabreichung von Medikamenten mit den Wirkstoffen Tiamulin und Amoxicillin im Trinkwasser.

Last but not least:
Gesunde Trínkwassermischungen mit Bio-Zutaten für Tauben

Gesundes Trinken mit vitaminreichen Zutaten sind für wild lebende Stadttauben illusorisch. Ihre gezüchteten Brüder und Schwester haben es zuweilen viel besser – wie das folgende Video von Züchter Eugen verrät:

(Video im Datenschutzmodus: Was für den Menschen gut ist, kann auch Tauben helfen. Im Video siehst du Biozutaten für die Taubentränke.)

Genug erfahren oder neugierig geworden?

Diese Webseite ist leider nicht unendlich. Wenn dich das Thema  so interessiert, dass du  mehr über Taubenkrankheiten erfahren möchtest, empfehle ich dir das Werk „Taubenkrankheiten“ von Werner Lüthgen, Oertel+Spörer Verlag. Ich habe ich mir selbst vor einiger Zeit bei Amazon bestellt und nutze es gerne als Nachschlagewerk.