Mahnwache und Rundgang in der Brieftaubenaustellung 2020

Am vergangenen Samstag war ich erstmalig bei der Mahnwache vor der jährlich stattfindenden Ausstellung vom Deutschen Brieftaubenverband (DBA) in Dortmund. Es war recht kalt und regnete etwas. Bei meiner Ankunft war der Stand schon aufgebaut und die Stadttaubenfreunde aktiv.

Mahnwache gegen das Brieftaubenwesen zur DBA in Dortmund
Unsere Mahnwache gegen das Brieftaubenwesen am Samstag Vormittag

Viele Messebesucher, die in großen und kleinen Trupps an uns vorbeizogen, musterten uns nur kurz. Teilweise lächelnd, teilweise verächtlich. Manche beschimpften uns, andere ließen sich sogar auf eine kleine Diskussion ein. Nach über zwei Stunden am Stand brach ich mit Sylvia M. (unermüdliche Taubenaktivistin und Fb-Freundin) zu einer Besichtigung der Messe auf. Wir wollten mit eigenen Augen sehen, was dort jedes Jahr abgeht: Organisation, Taubenvermarktung und sonstige Attraktionen, welche die Besucher anziehen.

In Käfig gepresste Tauben wie auf auf einem asiatischen Basar
Tauben im Dutzend billiger?

Warum die Mahnwache vor der Westfalenhalle?

Die Mahnwache richtete sich gegen die unsäglichen Praktiken im Brieftaubensport, gegen die Selektion und das Leid aller Tauben, denen unzumutbare Leistungen abverlangt werden, damit sich ihre Besitzer mit Preisen feiern lassen und ebenso die Taschen  vollstopfen können. Denn anders als von Züchtern proklamiert, sind heutzutage die Wettflüge der Tauben längst kein Hobby mehr, sondern ein international ausgerichtetes Business, bei dem es auf Kosten unschuldiger Tauben um Einsatz und Gewinn geht. Und das nicht zu knapp.

Selektion und Tötung von Brieftauben, die ihre Leistung nicht erbrachten

Brieftaubensport ist Tierquälerei

Unermüdlicher Einsatz für die Rechte der Tauben zeigt Wirkung

2018 protestierten  wir mit Unterstützung von PETA und anderen Tierrechtsorganisationen heftigst und erfolgreich dagegen, dass das Brieftaubenwesen von der UNESCO als Immaterielles Kulturgut gewürdigt wurde. Der schönste Effekt dabei war vor allem, dass der Verband so endlich gefordert war, sich ernsthaft um Verbesserungen zu bemühen. Auch wenn die Wettflüge weiter in vollem Umfang stattfanden, so gab es – zumindest in meinem Revier – deutlich weniger Brieftauben, die sich verirrt hatten und von meiner Seite keine gesichteten Todesfälle. Auch hatte sich endlich auch ein Züchter auf den Weg gemacht, um seine Brieftaube bei mir abzuholen.

Doch damit geben wir uns nicht zufrieden. So lange Tauben für menschliche Bedürfnisse missbraucht werden, sorgen wir für weiterhin ordentlich für Gegenwind.

Nicht nur Brieftaubensport führt zu Tierquälerei – auch gewisse Zuchtarten

Nicht nur bei den Sportsfreunden der Wettflüge, sondern zukünftig auch im Bereich Rassetauben. Dort scheint die Spielwiese für Abartigkeiten durch die Herren der Taubenschöpfung schier grenzenlos zu sein.

Mit fatalen Folgen: Manchen Kreaturen, die uns beim Rundgang begegneten, waren offensichtlich alle Bordmittel der Natur weggzüchtet worden, um im Entferntesten noch ein halbwegs artgerechtes Leben führen zu können. Damit verstoßen bestimmte Züchtungen auch gegen den Paragraphen 11b des Tierschutzgesetzes.

„Ein Schaden liegt bereits vor, wenn der Zustand eines Tieres dauerhaft auch nur geringfügig zum Negativen verändert ist.“
(Tierschutzgesetz und Europäisches Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren )

In Dortmund fielen bei den Rassetauben mir die folgende drei Beispiele besonders auf:

Kropftauben

Kröpfer können bei Erregung oder bestimmten Lauten auf Kommando ihren Kropf mit Luft aufblasen, wodurch dann rassetypische Formen entstehen – beispielsweise Kugelform oder Birnenform. Insofern ein nettes Spielzeug für den Züchter, doch Das Problem bei dieser Rasse ist, dass die Tiere sich dank des übergroßen Kropfes gnadenlos überfressen können und daran erkranken würden, sofern das Futter nicht künstlich knapp gehalten wird. Gesunheitliche Folgen wäre Kropfentzündungen.

Kropftaube
Erregte Kropftaube mit aufblähtem Kropf

 

Mehr Info über das Leid von Kropftauben bei PETA

Warzentauben

Eine Reihe von Warzentauben sind kaum in der Lage ihr Gefieder selbst zu pflegen und benötigen regelmäßige Spezialpflege und Ungezieferkontrolle. Schmutz und Futterreste sammeln sich in den verwarzten Teilen des Schnabels und der Nasenlöcher an, wodurch schwere Entzündungen entstehen können.

Warzentaube in Dortmund 2020
Eine Warzentaube

 

Warzentaube in Dortmund
Was für ein trauriger Anblick

Bucharchische Trommeltauben

Tauben ohne Kopf? Hier fehlten uns die Worte: Wie hinderlich Latschenfedern für die Beweglichkeit  sein können, habe ich schon oft bei verirrten Hochzeitstauben ansehen müssen, aber diese armen Trommler-Tauben sind in meinen Augen bedauernswerte Geschöpfe, die man nur noch unter Qualzucht verbuchen kann. Sie können kaum laufen und sehen nichts. Was für schreckliches Leben sie Rassetauben ertragen müssen. Schon allein wegen Sichtbehinderung sollte hier  ein Zuchtverbot ausgesprochen werden.

Bucharchische Trommeltauben bei der DBA 2020
Qualzucht in Reinkultur: Bucharchische Trommeltauben

 

Bucharische Trommeltaube im Käfig
Das Tier war kaum in der Lage sich zu bewegen, wenigstens kacken konnte es.

 

 

Weiterführende Links zum Thema Qualzucht bei Heimtieren

Gutachten der Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht zur Auslegung des Tierschutzgesetzes § 11b (Verbot von Qualzüchtungen)

Beiträge im Vogelforum über die Qualzucht bei Tauben

Feuerwerk, Raketen und Böller gehören endlich verboten!

Versprengte Stadttaube nach der Silvesternacht 2019-2020

Es reicht! Feuerwerksraketen, Himmelslaternen und Knallkörper jeder Art gehören nicht mehr in private Hände. Auch nicht zu Silvester und bei irgendwelchen „besonderen“ Anlässen.  Denn die Verantwortungslosigkeit, Ignoranz und Dummheit vieler Menschen ist offensichtlich grenzenlos. Im Krefelder Zoo mussten bis zu 30 Tiere ihr Leben lassen, weil die hierfür Verantwortlichen ihren persönlichen Spaß haben und mögliche Gefahren nicht erkennen wollten. Laut eigener Aussage wäre ihnen nicht bekannt gewesen, dass Himmelslaternen steigen lassen (Tian Deng oder Kongming) in Deutschland  verboten ist. Eine dämliche Ausrede. Die kann ich keinesfalls akzeptieren.

Mein Senf dazu: Ursprung und Unsinn

Tradition und Kultur: Himmelslaternen kommen ursprünglich aus China, wo die Teile auch heute noch während des chinesischen Neujahrsfestes als Glücksboten geschickt werden. Es handelt sich dabei um kleine Heißluftballons, eigentlich offene Tüten aus Reispapier. Mit Brennstoff getränkte Tücher oder auch Kerzen funktionieren als Brandsatz für den Aufstieg gen Himmel. Der Brauch ist aber auch in südasiatischen Ländern verbreitet. In Thailand beispielsweise gibt es in Chiang Mai ein eigenes Laternenfestival (Yi-peng).

Schwachsinn und Rücksichtslosigkeit:  Ich sah die Laternen allerdings auch an Stränden in Thailand, wo sich (meistens) Touristen damit – außerhalb von festlichen Anlässen – vergnügten. Wenn die Dinger runterkamen, ohne dass sie leer gebrannt waren, löschten sie im Meer aus oder verkohlten im Sand. Das war manchmal nervig und ebenso ein schlechter Umgang mit der Umwelt.


(Für das Video ist der erweiterte Datenschutzmodus aktiviert.)
Ich unterstelle mal, dass die Leute, die sich in Deutschland solche Flugkörper im Internet oder in anderen Graumärkten bestellen auch die möglichen Risiken kennen. Wer also – ob verbotenerweise oder nicht – innerhalb von Wohnbezirken solche Fluglaternen startet, handelt grob fahrlässig.

Die Tragödie in Krefeld war sicherlich nur die Spitze eines Berges von Unglücken. Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen und Tiere in der vergangenen Jahreswende durch Böller und Raketen körperlich zu Schaden gekommen sind oder schwer traumatisiert wurden. Nur weil gedankenlose Zeitgenossen mit Pyrotechnik ihr Geld verpulvern und dabei NULL Rücksicht nehmen. Mit Beispielen derartiger Folgen hätte ich vielleicht eine ganze Bildergalerie füllen können, doch schon diese beiden Fotos sprechen für sich:

Ausgebrannter Motorroller
Ausgebrannter Motorroller

In dem Zusammenhang wirkt der folgende Kommentar zum meinen Facebook-Post in Face zur Silvesternacht nur noch krank und zynisch.

Tauben und andere Stadtvögel nach der Knallerei

Was unsere Tauben und Wildvögel in der Düsseldorfer Innenstadt betrifft, so war am Neujahrstag nichts mehr so wie noch am Vortag. Keine Schwärme, keine Rundflüge über den Dächern der Stadt. Bis auf wenige Ausnahmen sah ich einzelne versprengte Stadttauben auf Futtersuche. Doch die meisten der oft besuchten Hotspots waren wie ausgestorben. Keine Tauben, keine Krähen oder andere Wildvögel. Dafür massenhaft Reste von Knallkörpern, menschlichem Müll und Brandstellen als Folgen von Dummheit und Vandalismus.

Gottseidank wurde mir beim Rundgang wenigstens der Anblick von toten oder verletzten Vögeln erspart. Das ging Taubenfreunden in anderen Städten leider nicht nicht so. Wenn deine Nerven es aushalten können, sieh bitte die schlimmen Fotos in den Facebook-Einträgen von:

Grey Pigeon Dortmund

Ruhrpottmöwen Tierschutzprojekt

Wo bleibt eigentlich der Umweltschutz zu Silvester?

Explosivstoffe und pyrotechnische Gegenstände verpesten ganz erheblich die Luft, da Unmengen an Feinstaub freigesetzt werden, welche die Grenzwerte in der EU erheblich überschreiten. Laut Messstationen werden in einer Silvesternacht sogar rund 15 Prozent des Feinstaub-Ausstoßes des inländischen Straßenverkehrs innerhalb eines Jahres in die Luft gepulvert. Das ist der pure Wahnsinn. Als Allergiker mit Asthmaproblemen kann ich das aus eigener Erfahrung voll und ganz bestätigen. Bei meinem Rundgang, Stunden nach der Knallerei, bekam ich dank der schwefeligen Luft  immer wieder Hustenanfälle.

Unterschreibt alle die Petitionen gegen das Böllern!

Der Verkauf von pyrotechnischen Gegenständen muss endlich kategorisch verboten und jede Zuwiderhandlung unerbittlich verfolgt und hoch bestraft werden.

Bitte gib auch du deine Stimme für eine Zukunft ohne Kracher und trage damit aktiv dazu bei, dass das Grauen von Krefeld nicht noch einmal passieren kann. Vielen Dank!!!

https://www.change.org/p/verbot-von-silvesterfeuerwerk-f%C3%BCr-privatpersonen-lewemarkus-staedtetag-svenjaschulze68-bmu

https://www.openpetition.de/petition/online/verbot-des-privaten-silvesterfeuerwerks