Das Brieftaubenwesen ist Tierquälerei und kein kulturelles Erbe

Seit dem Frühjahr 2018 kämpfen PETA-Deutschland und andere Tierrechtsorganisationen sowie Betreuer von Taubenhäusern in vielen Städten Deutschland gegen die Aufnahme der Distanzflüge des Deutschen Brieftaubenverbandes in die UNESCO-Liste als „Immaterielles Kulturgut“. Wenn auch der Brieftaubensport in Deutschland eine lange Tradition hat, so ist er keineswegs mit dem Tierschutz zu vereinbaren. Lies bitte dazu die Meinungen von Tierschutzorganisationen in Deutschland:

Taubenwettflüge sind pure Tierquälerei

Jedes Jahr sterben und verirren sich in Deutschland Tausende von Brieftauben. Bei den Wettspielen gibt es es keine Gnade geschweige denn Tierliebe. Brieftaubensport ist heute auch kein Hobby mehr. In in erster Linie geht um kommerzielle Interessen – um Preise, Vermarktung und um immer höheren Profit. Tauben werden dafür gezüchtet, gedrillt und getötet. Ohne Skrupel gegenüber Gefahren und Risiken und ohne das geringste Gefühl für das Wohl der Tiere. Das bestreitet der Deutsche Brieftaubenverband in jeder Hinsicht. Verluste  werden heruntergespielt, der ethisch unvertretbare Umgang mit Tauben gänzlich verleugnet oder beschönigt.

Wie ich schon mehrmals in meinen Blogberichten betonte, habe ich in Düsseldorf noch nie so viele gestrandete Brieftauben gesehen – auch solche, die die Tortur nicht überlebt haben. Solche Wettspiele einschließlich der finsteren Praktiken hinter den Fassaden sind verachtenswert, sie verdienen  keine Würdigung und Pflege oder gar bürgerschaftliches Engagement. .Hier einige Beispiele:

Gestrandete Brieftaube am Düsseldorfer Hauptbahnhof
Gestrandete Brieftaube am Düsseldorfer Hauptbahnhof
Brieftaube in Golzheim
Verirrte Brieftaube in Düsseldorf Golzheim, die tagelang gefüttert habe.
Gestrandete Brieftaube im Hofgarten unter Stadttauben
Gestrandete Brieftaube im Hofgarten unter Stadttauben
Tote Brieftaube
Verhungerte Brieftaube, die erst 2018 geschlüpft war

Weiße Brieftaube in Düsseldorf Derendorf
Weiße Brieftaube in Düsseldorf Derendorf

Aus den besagten Gründen teilte ich heute meine Beobachtungen dem UNESCO-Expertengremium mit, wobei ich auch die Argumente des Brieftaubenverbandes mit gutem Gewissen widerlegen konnte.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in eigener Regie kümmere ich mich in Düsseldorf um hilfsbedürftige Tauben.  Da ich noch berufstätig bin und jeden Tag nach Köln und wieder zurück fahre, ist mein Wirkungsradius relativ beschränkt. Aber ich besuche regelmäßig einige der Hotspots, wo sich in Düsseldorf besonders viele Tauben versammeln. Dazu gehören:

  • Hofgarten (Innenstadt)
  • IHZ-Park (Oberbilk)
  • Düsseldorfer Altstadt
  • Bertha-von-Suttner-Platz (hinter dem Hauptbahnhof)
  • Münsterplatz (Derendorf)

Meine Tätigkeiten für Tauben in Not dokumentiere ich im Internet unter der Adresse https://pro-palomas.de.

Auf meiner Website weise ich auch auf Missstände, mit denen ich persönlich bezüglich Stadttauben, Rassetauben und Reisetauben konfrontiert werde, hin. Ein ganz schlimmes Übel sind verirrte und tödlich verunglückte Brieftauben. Ich muss an dieser Stelle auch Ihnen noch einmal versichern, dass mir nur an den oben genannten Stellen über 40 beringte Brieftauben aufgefallen sind – erschöpft, ausgehungert und fast verdurstet. Dazu kamen auch tote Tauben, die ich dem Züchter melde, sofern eine Telefonummer vorhanden war.  Besonders schlimm fand ich, dass trotz der andauernden Sommerhitze immer noch weitere Tauben in Düsseldorf strandeten, obwohl in Deutschland eigentlich ein Aufflassverbot verhängt worden war. In Züchterforen in Facebook musste ich lesen, dass skrupellose Sportsfreunde trotz der heißen Temperaturen weiterhin Trainingsflüge durchführten. 

Tierquälerei darf nicht in das Verzeichnis der UNESCO aufgenommen werden

Was das Brieftaubenwesen betrifft, dessen deutscher Verband sich dieses Jahr bei der Unesco um den Status als „Immaterielles Kulturerbe beworben hat, kann ich nur von ganzem Herzen hoffen, dass diese Anerkennung niemals erfolgen wird und dass der so genannte Brieftaubensport endlich verboten wird. Die jährlich veranstalteten Wettflüge haben zwar eine alte Tradition, die in der Nachkriegszeit u. a. von Werktätigen im Ruhrgebiet gepflegt wurde. doch mit  einem einzigartigen Hobby aufgrund der Faszination für Tauben , so wie es der Verband gerne darstellt, haben die Wettflüge ebenso die Zuchtpraktiken rein gar nichts zu tun – geschweige denn mit Tierliebe!

Brieftaubensport ist kein Hobby, sondern Kommerz

Züchtern und Veranstaltern geht es in der Reisesaison nicht um das Wohl der Tiere, sondern um viele Preise und hohe Profite, die durch Siegertauben möglich werden, wenn sich auf der großen Brietaubenmesse in Dortmund zahlungskräftige Kunden aus Fernost  einfinden.

Darum werden Tauben für Höchstleistungen getrimmt, von ihren Partnern und auch Nestlingen getrennt. Tauben, die die Erwartungen nicht erbringen, werden rigoros selektiert, um dann entweder ausgesetzt, auf unterschiedlichste Weise getötet oder auch an Falkner zur Verfütterung weitergegeben zu werden. Das ist die Praxis.

Die Veröffentlichung des Brieftaubenverbands ist dagegen eine Farce

Auf der eigenen Website (http://web.brieftaube.de/155-brieftauben-und-tierschutz.html)versucht der Brieftaubenverband, die traurige Realität des Reisesports zu beschönigen und die Argumente von uns Taubenfreunden und Tierrechtlern zu entkräften. Was dort steht, ist nach meinen Erfahrungen eher Augenwischerei, um sich gegenüber der UNESCO positiv darzustellen. Besonders fragwürdig finde ich folgende Passagen:

„….So werden den Tauben auf den Flügen beste Bedingungen gewährleistet“

Es wird kein Wort geschrieben über die realen Strapazen und Gefahren, denen die Tauben auf Distanzflügen über mehre hundert Kilometer ausgesetzt sind (Greifvögel, Stromleitungen, Unwetter).

„Die Brieftauben werden zudem tierschutzrechtlich einwandfrei auf die Distanzflüge vorbereitet.“

Wie kann es bei einem so guten Regelwerk sein, dass sogar Jungtauben auf die Reise geschickt werden?  Solche habe ich selbst tot aufgefunden.

„Verlustrate“ ist bereits ein irreführendes Wort. 

Nein, ist es nicht. Allein die von mir gesehenen (über 40) Brietauben in der Innenstadt von Düsseldorf sagen mir, dass die Verlustraten wohl sehr hoch sein müssen. Die Darstellung des Verbandes ist irreführend.

„Das Ehrengericht des Verbandes verfolgt Angelegenheiten dieser Art. Für Tauben, die Privatpersonen zufliegen, hat der Verband ein deutschlandweites Netzwerk von „Vertrauensmännern“, die sich um die Rückführung der Tauben kümmern“

Sehr löblich, entspricht aber nicht den Tatsachen, denen viele Finder von Brieftauben ausgesetzt werden. Taubenbetreuer in ganz Deutschland können bestätigen, dass Tauben vom Züchter nicht abgeholt werden, keine Rückrufe erfolgen oder sogar die Tötung empfohlen wird. Fragen Sie bitte dazu einmal Stefan Bröckling von www.tiernotruf.de. Von ihm gibt es auch ein aussagekräftiges Video zum Thema Rücknahme von verletzten Brieftauben  in Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=XdzHpNYve_I&t=44s

„Selektierte Brieftauben werden von den Züchtern zur Deckung des eigenen Lebensmittelbedarfs verwandt (vgl. §3 Nr. 5 der Verbandssatzung, wonach Brieftauben nicht der gewerblichen Lebensmittelgewinnung zugeführt werden dürfen). Bei der Schlachtung gehen die Züchter nach Auffassung des Verbandes grundsätzlich mit der erforderlichen Sachkunde vor.“

Der eigentliche Grund ist: Tauben werden getötet, wenn sie ihren Zweck nicht erfüllen und den Züchter nur unnötig Geld kosten. So wird es auch in der Brieftaubenliteratur ganz klar empfohlen, zum Beispiel im Werk von Henirich Mackrott „Tauben halten“ (ab Seite 151)  Der eigene Lebensmittelsbedarf spielt dabei bestimmt auch eine Rolle, aber nur eine ganz kleine. Tauben werden auch oft an Falkner zur Verfütterung verkauft. Ich selbst habe solche Verfahrensweisen in Facebook-Züchtergruppen gelesen. Dann gibt es natürlich auch illegale Massentötungen durch Züchter wie diese hier:

https://www.rundschau-online.de/region/rhein-erft/bruehl/bruehl-41-tauben-mit-gebrochenem-genick-gefunden—veterinaeramt-nimmt-hinweise-entgegen-31152402

„Diese Behauptung (gemeint ist: Stadttaubenschwemme sind Folgen des Brieftaubenwesens) ist durch mehrjährige Versuchsreihen in der Forschung widerlegt worden. Insbesondere in der Arbeit von Dr. Daniel Haag-Wackernagel, Universität Basel, ist bewiesen worden, dass verirrte Brieftauben nur sehr selten in Stadttaubenschwärmen zu sehen sind.“

Ich kann nicht für Herrn Haag-Wackernagl in Basel sprechen, aber für die Innenstadt von Düsseldorf. Hier sind verirrte Brieftauben (genauso wie ausgesetzte Rassetauben) keine Seltenheit. Ich habe zwar nicht alle 40 fotografiert, jedoch so viele, dass diese Darlegung einfach nicht stimmen kann. Ich selbst kann bestätigen, dass sich Brieftauben sehr gut in Stadttaubenschwärmen integriert haben.

Fazit:

Das Brieftaubenwesen enthält viele dunkle Kapitel voller Ereignisse, die sehr schlimmes Tierleid verursachen, was ich gerade wieder während der Reisesaison 2018 auch mit eigenen Augen erleben musste. Wettflüge mit Tauben müssen daher verboten werden!

Darum bitte ich Sie von ganzem Herzen, diesen Verband nicht auch noch dadurch zu unterstützen, indem er sich als „Immaterielles Kulturerbe“ darstellen kann.

 Bitte leiten Sie  dieses Schreiben auch an alle Mitglieder des Expertenkomitees weiter. Vielen Dank!“